Fleißige Frauen arbeiten, schlaue lernen NEIN zu sagen

Ärgern Sie sich regelmäßig, weil andere über Ihre Zeit, Hilfskraft oder gar Geld verfügen? Tappen Sie immer und immer wieder in die Gutmütigkeitsfalle ? Wollten Sie nicht schon letztes Mal NEIN sagen zu den Überstunden im Betrieb, zur Rolle im Elternbeirat?

Die Wahrheit ist, dass Sie es als Frau schwerer haben, sich von Ihren Mitmenschen  abzugrenzen und einen gesunden Egoismus zu entwickeln. Das hat vielfältige Gründe, auf die ich gleich noch näher eingehen werde. Aber auch Sie können lernen, ihre persönlichen Grenzen abzustecken und das „Nein sagen“ trainieren.

Beziehungskonflikte belasten Frauen oft stärker als Männer

Einer der Gründe, warum es uns Frauen so schwer fällt, Grenzen zu setzen, ist unser Urprogramm der Bildung von Gemeinschaften. Wir sind darauf programmiert, enge Beziehungen einzugehen und Communities zu schaffen. Zu unserem „Stamm“, unseren Eltern und Kindern, zu anderen Menschen.

Deshalb gibt es für viele Frauen nichts Belastenderes als Beziehungskonflikte. Und die entstehen in der Regel dort, wo unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Wo Harmonie gewünscht wird, sich aber nicht immer leben lässt. Wo durch ein persönliches Nein Nachteile für das Gegenüber entstehen könnten.

Eine weitere praktische Erklärung steckt in der Tatsache, dass sich Frauen öfter in der Position der Untergebenen befinden und daher gerne Aufgaben an sie delegiert werden.

In der Rolle der Abarbeitenden fällt es nun aber oftmals schwer, eine persönliche Grenze zu ziehen, auch für Aufgaben, die unter Umständen gar nicht in der eigenen Stellenbeschreibung enthalten sind. Und in den meisten Fällen gibt es schlicht und einfach niemanden mehr, an den weiterdelegiert werden könnte.

Typische Frauenrollen im Beruf machen Grenzziehung schwer

Und auch ambitionierte, in Teilzeit arbeitende Frauen stecken in einem ähnlichen Dilemma: Auf der einen Seite möchten Sie eine qualitativ anspruchsvolle Tätigkeit ausüben, die ihrer Ausbildung gerecht wird. Auf der anderen Seite steht nur eine begrenzte Arbeitszeit zur Verfügung.

Dies führt nicht selten dazu, aus persönlichem Ehrgeiz heraus permanente Grenzüberschreitungen zuzulassen. Frau will ja nicht als Spielverderber dastehen und möchte natürlich auch beweisen, dass Sie das alles schafft.

 

Grenzen sind individuell unterschiedlich

Oftmals merken wir es auch gar nicht bewusst, wenn unsere Grenze wieder einmal von jemandem überschritten wurde. Wir fühlen es vielleicht durch Wut, Ärger oder Gereiztheit, können es aber nicht so richtig zuordnen. Bis wir an einen Punkt kommen, wo wir plötzlich realisieren: „Bis hierher und nicht weiter“.

Und genau dort kommen unsere Prägungen, Werte und Einstellungen ins Spiel. Diese tragen im Wesentlichen zur Definition unserer Grenzen bei.

Wer beispielsweise Gerechtigkeit als höchsten Wert hat, wird sich schwer tun, in einem Unternehmen mit ungerechter Gehaltsstruktur zu arbeiten. Für eine andere Person mag dies nicht so wichtig sein, sie legt vielleicht mehr Wert auf eine humorvolle Arbeitsatmosphäre. Persönliche Grenzen sind also vor allem Eines: persönlich.

 

Wie finden Sie heraus, wo Ihre persönlichen Grenzen sind?

Grundbedingung für jede Form von Abgrenzung ist es erst einmal, herauszufinden, wo die persönlichen Grenzen eigentlich liegen. Dabei ist das Nachdenken über folgende Fragen hilfreich:

  • Nach welchen Situationen habe ich mich hinterher schlecht gefühlt, weil ich etwas getan habe, was ich eigentlich nicht wollte?
  • Was hätte ich stattdessen tun, sagen oder vereinbaren sollen?
  • Was ist für mich in Gesprächen, Handlungen, Aktionen noch OK, was geht mir persönlich zu weit?
  • Wie kann ich das sachlich und verständlich meinem Gegenüber vermitteln?
  • Bei welchen Begebenheiten hatte ich das Gefühl, mich verteidigen zu müssen? Was ist da genau passiert? Welche meiner Grenzen wurde überschritten?
  • Habe ich mich in meinem Selbstwert, meinen Werten oder meinen Einstellungen angegriffen gefühlt?

 

Eine gesunde Grenzziehung ist notwendig, um uns vor Schmerzen, Enttäuschungen und Übergriffen zu schützen. Durch Unwissenheit und Unreife haben wir in jungen Jahren vielleicht die ein oder andere Grenzüberschreitung von Mitmenschen folgenlos geschehen lassen müssen.

Mit mehr Lebenserfahrung und Lebensreife können wir aber in der Regel unsere Grenzen bewusster wahrnehmen und Übertretungen rechtzeitig erkennen.

 

Seien Sie es sich wert, „Nein“ zu sagen, ohne sich schuldig zu fühlen

Hier kommen wir nun zu dem für Frauen wichtigstem und wahrscheinlich schwerstem Punkt: der Bereitschaft, für sich einzustehen und einen gesunden Egoismus zu entwickeln.

Sich selbst wichtig zu nehmen hat viel mit dem Thema Selbstwert zu tun. Wie viel sind Sie sich selbst wert? Wer bestimmt Ihren Wert? Das bestimmen einzig und allein Sie!

Immer wieder fällt mir auf, dass Frauen auf Komplimente abwertend reagieren. „Tolles Keid, steht Dir hervorragend!“ „Ach, ist schon alt“ oder „Wollt‘ ich eigentlich schon aussortieren“. Damit machen sie nicht nur das Kompliment wertlos, sondern auch sich selbst klein. Lernen Sie, Komplimente anzuerkennen und wertzuschätzen!

Egal wie schlimm ihre Kindheit oder Schulzeit war, es gib kein wertvoll oder weniger wertvoll. Kein besser oder schlechter. Es gibt nur ein Anderssein. Sie sind wertvoll, egal was ist oder war. Sie dürfen sich wichtig nehmen!


Gesunder Egoismus schützt vor Überforderung und Ausbrennen

Gerade bei uns Frauen lauert auch regelmässig die Gefahr, uns für unsere Familie oder Freunde aufzuopfern. Dieses Muster übertragen wir dann gerne auch auf unserer Arbeitsverhältnisse oder sozialen Rollen in der Gesellschaft. Wir verlieren immer mehr Energie, bis wir irgendwann dann selbst Hilfe brauchen.

Sie müssen sich aber klarmachen, dass Sie anderen auf Dauer nur dann etwas geben können, wenn Sie gut auf sich selbst achten. Ihre Kräfte sind nicht unendlich, Ihre Batterien sollten deshalb regelmäßig aufgeladen werden. Eine gesunde Selbstfürsorge und das Verteidigen persönlicher Grenzen ist unerlässlich für die vielen Rollen, die Sie als moderne Frau in der heutigen Gesellschaft spielen möchten.

 

Das Wörtchen „Nein“ geht uns einfach schwer über die Lippen

Das Thema Grenzen setzen hat in der Praxis vor allem etwas mit Kommunikation zu tun. Nur so können wir anderen beibringen, dass es für uns eine Grenze gibt und dass es hier für unser Gegenüber nicht weiter geht. Die Kommunikation des Wortes NEIN fällt vielen von uns aber deshalb so schwer, weil wir

  • es als Frauen unter Umständen nie gelernt haben
  • andere nicht vor den Kopf stossen wollen
  • lieber Frieden und Harmonie haben wollen
  • Konsequenzen fürchten im Denken und Handeln des anderen

Wie so oft im Leben kommt es auch hier auf das Wie an. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, ein Nein auszudrücken. Zunächst sollte es immer freundlich und mit Verständnis für die Enttäuschung des anderen geschehen. Damit lasssen sich schon viele Konflikte im voraus vermeiden.

Hin und wieder wird es aber auch nötig sein, deutlicher zu werden und ein „Nein“ klarer zu formulieren. Wenn es über die Kommunikationsschiene nicht ankommt, auch entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Sei es, einen Job zu kündigen, weil ein Wahren der persönlichen Grenzen dort einfach nicht möglich ist, oder eine Verbindung abzubrechen zu einem Menschen, der wiederholt die eigenen Grenzen verletzt hat.

 

Rechnen Sie mit Gegenwind für Ihr neues Verhalten

Gerade wenn Sie dabei sind, Ihre Grenzen neu zu definieren und Ihre Gewohnheiten zu ändern, werden andere Menschen erst einmal versuchen, Ihr Verhalten zu hinterfragen und den Status Quo wieder herstellen zu wollen.

Vielleicht versuchen sie auch, Ihnen Schuldgefühle zu machen, an Ihren Gemeinschaftssinn zu appelllieren oder sich gar bei Ihnen einzuschmeicheln, damit Sie wieder zu Ihrem alten Verhalten zurückkehren.

Ein „Nein“ bedeutet immer, dass ein anderer auf etwas verzichten muss. Das er nicht bekommt, war er möchte. Es ist normal, dass er darüber nicht erfreut ist. Wo aber steht geschrieben, dass Sie für die Erfüllung der Wünsche der anderen da sind? Die anderen sind auch nicht für die Erfüllung Ihrerr Wünsche zuständig! Sie haben das Recht, „Nein“ zu sagen, ohne sich schuldig fühlen zu müssen!

Bleiben Sie standhaft und zeigen Sie Ihren Mitmenschen, wie Sie behandelt werden möchten!

 

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